Lektorat

Wieso dauert ein Lektorat so lange?

Du kannst es kaum erwarten, dein Buch endlich zu veröffentlichen. Monatelang hast du geschrieben, immer wieder überarbeitet und jetzt bist du deinem Ziel schon so verdammt nah.

Doch dann kommt die Sache mit dem Lektorat. Du hast schon so viel darüber gelesen, vielleicht sogar rechtzeitig daran gedacht, einen Termin für dein Manuskript zu buchen und bist kurz davor, es an eine fremde Dienstleisterin oder einem fremden Dienstleister abzugeben. Und dann kommt der Tag der Abgabe und du kannst es kaum erwarten, das überarbeitete Manuskript wieder final zu bearbeiten, um es anschließend zu veröffentlichen. Doch die Ungeduld hat dich fest im Griff und du fragst dich vielleicht, wieso das so lange dauert, bis die Lektorin oder der Lektor fertig ist?

Gibt es eine pauschale Antwort darauf, wie lange ein Manuskript im Lektorat benötigt? Eine kurze und klare Antwort: Nein.

Doch woran liegt das? Wieso kann man nicht klar definieren, wie lange das Manuskript benötigt?

Hier sind ein paar Anhaltspunkte:

Welche Dienstleistung willst du in Anspruch nehmen?

Es liegt auf der Hand, dass ein Lektorat, in dem nur der Inhalt (oder der Stil) deines Buches überprüft wird, schneller fertig ist als ein Volllektorat.

Außerdem kommt es auch immer darauf an, ob du zusätzliche Dienstleistungen gebucht hast. Beispielsweise zum Lektorat noch ein Korrektorat oder die Erstellung des Buchsatzes.

Muss an einigen Stellen noch recherchiert werden, kommt das auch noch mit auf die Dauer des Lektorates drauf.

Wie ist die Qualität deines Textes oder: Ist das dein erster oder fünfter Roman?

Das klingt jetzt banal, und vielleicht denkst du dir, was das jetzt mit der Dauer des Lektorates zu tun hat.

Allerdings spielt auch das eine große Rolle, denn ein Autor oder eine Autorin, die bereits mehrere Bücher veröffentlicht hat, weiß zum großen Teil besser, worauf sie oder er zu achten hat, als jemand, der gerade erst angefangen hat mit dem Schreiben.


Jeder Autor und jede Autorin hat auch andere Stärken. Es gibt Autoren, die Legasthenie haben und dadurch schon gewisse Schwierigkeiten haben.

Auch darauf ist bei einem Lektorat und der Dauer dessen zu beachten.

Ein Autor, der sein viertes Buch veröffentlichen möchte und nur ein Inhaltslektorat benötigt, wird sein Manuskript schneller aus dem Lektorat zurückbekommen als eine Autorin, die ihr erstes Manuskript geschrieben, kaum recherchiert und dazu noch Probleme mit der deutschen Rechtschreibung hat und ein Volllektorat inklusive Korrektorat möchte.

Deshalb ist es immer sinnvoll, vorher ein Probelektorat machen zu lassen, dadurch kann der Lektor oder die Lektorin im Vorfeld schon ungefähr abschätzen, wie viel Aufwand nötig ist. Sinnvoll sind hier immer zehn Normseiten aus der Mitte des Manuskriptes. (Wohlgemerkt ist auch das nur eine Schätzung, weswegen viele Dienstleister auch mit Pufferzeiten arbeiten.)

Wie groß ist dein Manuskript?

Auch das ist eigentlich selbsterklärend. Ein Buch mit dreihundert Normseiten ist vom Umfang her schon schneller fertig als ein Buch mit sechshundert Normseiten.

Wie ausgelastet ist der oder die Dienstleistende?

Natürlich kommt es auch darauf an, wie viele Aufträge bereits in Bearbeitung sind. Kleinere Aufträge gehen oft auch zwischendurch, während größere Texte nur begrenzt gleichzeitig bearbeitet werden können.

Ich selbst beispielsweise arbeite maximal an zwei größeren Aufträgen gleichzeitig, das liegt daran, dass sonst die Qualität meiner Arbeit darunter leiden würde.

Warum biete ich kein Express-Lektorat an?

Es gibt Kollegen und Kolleginnen, die bieten mit Aufschlag Express-Lektorate an. Ich jedoch habe mich sehr bewusst dagegen entschieden.

Eine schnellere Bearbeitung bedeutet oft auch, dass die Qualität des Textes darunter leidet. Mir ist jedoch wichtig, dass ich qualitativ hochwertige Arbeit abliefere, deswegen arbeite ich lieber mit mehr Pufferzeit als mit Express-Leistungen.

Jeder und jede Dienstleistende kann das natürlich für sich selbst entscheiden.

Deswegen ist es auch wichtig, sich schon früh genug um einen Platz im Lektorat zu suchen. Am besten schon am Anfang. Besser zu früh als zu spät.

Was kannst du tun, um die Zeit im Lektorat zu verkürzen?

Das Wichtigste, was du vor dem Lektorat tun kannst, ist, es noch einmal zu überarbeiten. Am besten lässt du es nach Fertigstellung noch eine Weile liegen und liest dir anschließend das komplette Manuskript durch, machst dir Stichpunkte, was dir selbst auffällt und streichst die Dinge, die dem Text nicht guttun. Vielleicht kennst du jemanden in deiner Familie oder im Freundeskreis, der auch einmal drüber lesen kann? Das hilft schon.

Und zum Schluss gibt es noch zwei Beispiele:

Beispiel EINS:

Katja schreibt ihren ersten Roman, sie ist Anfang zwanzig, kommt aus einer Arbeiterfamilie und möchte diesen Roman nun veröffentlichen. Leider hat sie Probleme mit der deutschen Rechtschreibung. Sie möchte ein Volllektorat inklusive Korrektorat. Ihr Manuskript umfasst dreihundert Normseiten.

Um gute Arbeit abliefern zu können, schaffe ich im Schnitt sechs bis maximal zehn Seiten pro Stunde. Nehmen wir den Durchschnitt von acht Seiten in einer Stunde. Das macht bei einem dreihundert Seiten Manuskript 37,5 Stunden.

Du denkst dir jetzt wahrscheinlich, ja, super, das ist dann eine Woche. Aber damit ist es nicht getan, denn bei einem Volllektorat mache ich drei Durchgänge und anschließend noch einen Durchgang für das Korrektorat. Das Korrektorat allerdings mache ich zum Schluss, nachdem Katja mir ihr Manuskript nach dem Lektorat wieder zurückgegeben hat.

Deswegen müssen wir jetzt die 37,5 Stunden mal drei nehmen, dann sieht das schon anders aus.

Da ich meistens an zwei großen Aufträgen gleichzeitig arbeite und im Lektorat über den Tag verteilt »nur« fünf Stunden an vier Tagen arbeite, kann ich lediglich zweieinhalb Stunden am Tag an ihrem Manuskript arbeiten. In der Woche also zehn Stunden.

Bei Lektoraten rechne ich immer mit Pufferzeiten, einfach, um sicher zu gehen, dass ich es in der angegebenen Zeit schaffe, auch wenn ich mal krank werde oder irgendwas anderes dazwischenkommt.

Ich schaffe also in einem Monat die erste Runde des Inhaltslektorats, darauf folgt das Stillektorat und im Anschluss der Kontrollgang, der aber nicht so lange braucht, weil ich da nur noch einmal final drüberlese.

Ich gehe bei einem Volllektorat dieser Größe und mit diesem Aufwand von knapp zehn Wochen aus. Zwei Wochen sind dabei allerdings wie gesagt Pufferzeit, es kann also sein, dass ich bereits nach acht Wochen fertig bin.

Beispiel ZWEI:

Markus hat seinen dritten Thriller geschrieben, und möchte nur ein Inhaltslektorat.

Markus ist Mitte vierzig, hat studiert und keinerlei großen Probleme mit der Rechtschreibung.

Sein Manuskript umfasst zweihundert Normseiten.

Hier bin ich bereits nach drei Wochen fertig, eine Woche Pufferzeit ist dabei einberechnet.

Du siehst also, es kommt auf viele Dinge gleichzeitig an. Deswegen ist es auch so wichtig, dass du dich schon rechtzeitig um einen Lektoratsplatz bemühst.

Wenn du noch auf der Suche nach einem Lektorat bist, dann melde gerne hier bei mir.

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Sarah Hecht

Hey, ich bin Sarah. Autorin und Lektorin aus Leidenschaft. Ich gebe dir hier im Blog Schreibtipps, Hilfe beim Überarbeiten und viele Tipps und Erfahrungen aus meinem Alltag und der Selbstständigkeit. Seit ich Teenager bin schreibe ich selbst und habe letztes Jahr (Juli 2023) mein erstes Buch veröffentlicht. Als zertifizierte (ADM) Lektorin möchte ich besonders Autoren und Autorinnen im Selfpublishing dabei helfen, ihren Traum vom Buch zu verwirklichen. Ich liebe beim Lektorat vor allem die kreative Arbeit am Text und in andere Geschichten einzutauchen. Du willst mehr über mich wissen? Dann schau doch mal auf meiner "Über mich"-Seite vorbei.

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