Wie werden deine Texte flüssiger?
Eine der wichtigsten Schreibregeln ist wohl das allseits bekannte »Show, don’t tell«, was übersetzt so was bedeutet wie: »Zeigen, statt zu erzählen.«
Und genau das ist es auch. Es geht darum, deinen Lesern und Leserinnen nicht nur stupide zu berichten, was deine Protagonisten möglicherweise denken und fühlen, sondern es deinen Lesern auch klar zu zeigen.
Am besten kannst du das vergleichen, wenn du dir einen Polizeibericht durchliest und im Anschluss einen belletristischen Roman liest. Im Polizeibericht (oder auch in einem Zeitungsbericht) wird nur berichtet, was gerade offensichtlich passiert ist, ohne viele Gefühle dort reinzuinterpretieren. Während in dem Roman eine ganz andere Art des Schreibens steckt.
Wie genau funktioniert dieses »Show, don’t tell«?
Es ist einfacher, als du denkst und definitiv kein Hexenwerk.
Versuch, dich in deinen Protagonisten hineinzuversetzen. Was fühlt diese Person? Was riecht sie oder er?
Ein Beispiel:
»Ich habe keine Lust, mich damit auseinanderzusetzen«, sagt Marius wütend.
So kann ein typischer Satz aussehen. Doch dieser Satz ist viel zu langweilig und lässt für den Leser keinen Spielraum der Fantasie übrig.
Viel besser ist diese Version:
»Ich habe keine Lust, mich damit auseinanderzusetzen.« Marius verschränkt die Arme vor der Brust und wendet sich von seinem Gegenpart ab.
Oder:
»Ich habe keine Lust, mich damit auseinanderzusetzen.« Marius schmeißt das Geschirr, was sich auf dem Tisch befindet, mit einer Bewegung vom Tisch und verlässt Türeknallend das Zimmer.
Du siehst, der Satz ist der Gleiche, aber die Wirkung im Anschluss ist eine ganz andere.
Hier ein paar Tipps.
Nimm dir ein paar Minuten Zeit und geh mit einem Block nach draußen. Statt dich von Musik auf deinen Ohren oder mit deinem Smartphone abzulenken, achte auf all deine Sinneseindrücke.
Was fühlst du?
Was siehst du?
Was riechst du?
Was hörst du?
Versuch alles, was dir durch den Kopf geht, aufzuschreiben. Und zwar nicht einfach nur als stupiden Bericht.
Wie fühlt sich wohl der Wind an? Streicht er dir mit einer leichten Brise durch die Haare?
Rascheln die Blätter durch den Wind?
Läufst du über einen Waldweg oder Kiesweg? Spürst du, wie die Steine oder Stöckchen unter zerbrechen Füßen zerbrechen?
Wie fühlst du dich? Bist du wütend? Dann schreib nicht, dass du wütend bist, sondern umschreibe dieses Gefühl. Bist du so angespannt, dass du am liebsten in einen Boxsack schlagen würdest oder irgendwas anderes zerstören möchtest, nur um diese Anspannung los zu werden?
Oder könntest du vor lauter Freude die ganze Welt umarmen?
Schmück deine Gefühle ruhig aus, lass deiner Fantasie ihren Lauf, aber achte darauf, alle Sinneseindrücke aufzunehmen.
Auch Charaktereigenschaften kannst du so umschreiben.
Schreib nicht: Sie ist schüchtern.
Sondern: Ihr fällt es schwer, das Gegenüber direkt anzusehen, ihre Stimme ist so leise, dass man sie kaum verstehen kann. Sie fängt an, zu stottern.
Du verstehst, was ich meine?
»Show, don’t tell« soll deinen Text flüssiger werden lassen, die Fantasie deiner Leser in eine bestimmte Richtung lenken und Erklärungen dadurch vereinfachen oder ganz streichen.
Sorge dafür, dass deine Leser und Leserinnen ganz in deine Welt eintauchen und Bilder in ihren Köpfen entstehen.
Nutze die aktive Sprache und schreibe so klar wie möglich. Wodrauf du beim aktiven Schreiben achten solltest, habe ich dir in diesem Beitrag bereits gezeigt.
Nutze so wenig Adjektive und Adverbien wie möglich.
Du kannst es dir auch vorstellen wie einen Kinofilm. Dort berichten die Schauspieler ja auch nicht, was sie tun, sondern sie zeigen es dir anhand der Handlung. Und genau das ist »Show, don’t tell«.
Wenn du es schaffst, deine Leser beim lesen praktisch in die Handlung mitzunehmen, hast du es geschafft.
Übung ist auch hier wie immer der Schlüssel.
Lies dir deine Texte noch mal genau durch, überlege dir, ob du an alles gedacht hast. Wie fühlt sich dein Protagonist in dieser oder jener Situation? Wie handelt er?
Schreib auf, was in deinem Charakter vor sich geht. Achte darauf, dass du nicht zu viel berichtest. Deine Leser möchten sich deinen Roman und keinen Zeitungsbericht durchlesen.
Solltest du dir unsicher sein, dann schreib mich gerne an. In einem (möglichen) Lektorat kann ich dir gezielt Hilfestellung geben und wir arbeiten gemeinsam an deinem Roman, um das Bestmögliche herauszuholen.
Wie hat dir der Beitrag gefallen? Hast du noch weitere Anmerkungen? Dann schreib es mir gerne in die Kommentare.


